Löchrige Abwehrreihen

Waabs, Jürgen Griese

Rassiger Zweikampf: Fair trennt Torsten Grimm den Waabser Heiko Otto (vorn) vom Ball.

Rassiger Zweikampf: Fair trennt Torsten Grimm den Waabser Heiko Otto (vorn) vom Ball.

Foto: ez

Die Begegnung begann furios, denn gerade waren zwei Minuten verstrichen, da setzte sich Heiko Otto auf der rechten Seite durch, flankte auf den diesmal als Angreifer aufgebotenen Jörn Mohr, und der knallte das Leder aus der Drehung unhaltbar für Nortorfs Torhüter Torben Sachau in die Maschen. Für Mohr der Auftakt eines großen Abends.

An der Führung durften sich die Gastgeber ganze acht Minuten erfreuen. Ein flach getretener Eckball nämlich sauste durch den Waabser Strafraum, ohne dass ihn ein TSV- oder TuS-Akteur berührte. Hätte nicht Nortorfs Libero Jörg Scherbarth die Initiative ergriffen, der Ball wäre wohl auf der gegenüberliegenden Seite ins Aus getrudelt. So aber packte der Nortorfer die Gelegenheit beim Schopf und erzielte mit einem trockenen Schuss aus kurzer Distanz das 1:1.

Der schnelle Ausgleich beflügelte die Gäste, denn die Elf von Spielertrainer Dierk Schröder gab nun eindeutig den Ton an. Der TSV Waabs kam überhaupt nicht zur Entfaltung, Chancen für Nortorf sprangen trotz optischer Überlegenheit des TuS allerdings auch nicht heraus. Dennoch, das 2:1 durch Mohr in der 37. Minute fiel wie aus heiterem Himmel. Einen Freistoß auf Höhe der Mittellinie führte André Haar blitzschnell aus und bediente den sträflich allein gelassenen Mohr. Der zeigte sich vor Sachau ganz cool und schob zur abermaligen TSV-Führung ein. Spiegelte dieser Treffer den Spielverlauf schon nicht richtig wider, wurde das Ganze durch Mohrs dritten Treffer noch getopt. Nach einer im Vergleich zum 2:1 nahezu identischen Szene – diesmal hatte Oliver Bonus den TSV-Stürmer bedient – markierte Mohr nach 39 Minuten auch noch das 3:1. Damit hatte der Waabser zwar keinen einwandfreien Hattrick erzielt, aber drei Tore in einer Partie – das war zuletzt Stürmerkollege Heiko Otto vor knapp einem Jahr beim 7:1 über den TSV Plön gelungen.

Mit diesem aus Nortorfer Sicht absolut unbefriedigenden, nicht leistungsgerechten Zwischenstand ging es in die Kabinen. Kaum waren beide Teams wieder auf dem Platz, bemühte sich der TuS Nortorf nachdrücklich um eine Ergebniskorrektur. Die Waabser, mit ihren Gedanken überall, nur noch nicht beim Geschehen auf dem Platz, ließen Mirko Nitschmann gewähren, der ähnlich viel Freiraum genoss wie zuvor Mohr bei seinen Treffern und sich mit einem platzierten Schuss ins linke obere Eck dafür bedankte (47.)

Nur eine Minute später vereitelte der für die verhinderten Melf Gerthsen und Lars Steffensen eingesprungene Oliver Langeberg im Tor des TSV Waabs gegen Lars Gudjons das sichere 3:3. Nun entwickelte sich eine abwechslungsreiche Begegnung, die von beiden Seiten mit offenem Visier bestritten wurde. Die einen wollten das 4:2, die anderen das 3:3. Mohr (51.), der sich zwei-, dreimal sogar Szenenapplaus von den über 100 Zuschauern abholte, Reiner Biegemann (59.), Robert Guhl (59.) oder auch Heiko Otto (65.) mit einer von Sachau toll vereitelten Riesenchance hatten den vierten Waabser Treffer ebenso auf dem Fuß wie auf der anderen Seite beispielsweise Dierk Schröder, der nach einem schweren Fehler von Olaf Andresen gerade noch von..... Jörn Mohr am erfolgreichen Torschuss gehindert werden konnte.

Doch überall konnte Mohr an diesem Abend nicht sein, und nur deshalb kam der teilweise sehenswert spielende TuS Nortorf doch noch zum Ausgleich. Fast ungehindert konnte Torsten Grimm auf Nitschmann flanken, ähnlich ungehindert traf dieser zum 3:3 (80.) – einem Ergebnis, das das Geschehen bestens wiedergab. Das Schöne an diesem Spiel war, dass sowohl die Platzherren als auch die Gäste noch mehr wollten – die Drei-Punkte-Regel ließ grüßen. Und so eröffnete sich zunächst dem TuS Nortorf die wohl beste Gelegenheit der gesamten Partie, als Schröder in der Schlussminute gänzlich frei vor Langeberg aufkreuzte, der aber mit einem Reflex klären und ein viertes Gegentor verhindern konnte. In allerletzter Sekunde dann hatte Arne Prüß Pech mit einem Schlenzer, der nur um Zentimeter am Ziel vorbeistrich.

„Enttäuschend, wie wir uns unsere Gegentore gefangen haben. Das Ergebnis eines schwachen und überheblichen Zweikampfverhaltens. Am Sonnabend war Boostedt bissiger als wir, heute war Nortorf bissiger. Zeitweise haben wir uns wie eine Mädchenmannschaft ausspielen lassen“, zürnte TSV Trainer Niels Bünning, während sein Gegenüber Dierk Schröder froh war, zumindest einen Punkt mit auf die Heimreise nehmen zu können. „Hier haben wir noch nie etwas geholt, deshalb freue ich mich umso mehr über das 3:3. Und für Mirko Nitschmann, der sich mit seinen zwei Toren nachträglich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk bereitet hat“, resümierte der Nortorfer Coach.

TSV Waabs – TuS Nortorf 3:3
TSV Waabs: Langeberg – Guhl, Andresen, Starck – Biegemann, Havel (65. Schröder), Haar, Bonus, Prüß – Otto, Mohr
TuS Nortorf: Sachau – Scherbarth, Redmann, Grimm – Nitschmann, Drews (46. Kaehlke), Klucke, Gudjons, Schröder – Lackmann, Jensen (54. Klammer)
Tore: 1:0 Mohr (3.), 1:1 Scherbarth (11.), 2:1 Mohr (37.), 3:1 Mohr (39.), 3:2 Nitschmann (47.), 3:3 Nitschmann (80.)
Beste Spieler: Mohr – geschl. Mannschaftsleistung
Schiedsrichter: Sönder (SV Ellerbek)
Zuschauer: 110

   

Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 23.08.2002