90 kurzweilige Minuten im Derby
Osterrönfeld - Hans Jacobsen war gestern extra aus Kiel angereist. Der Spielausschussobmann des Fußball-Bezirks I wollte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die Partie in der Bezirksoberliga Ost zwischen dem Osterrönfelder TSV und dem TuS Nortorf auch wirklich angepfiffen wird. Denn im Vorfeld wollten die Nortorfer wegen einer Weihnachtsfeier das Spiel verlegen. Die Osterrönfelder hätten einer Verlegung auf den ersten Ausweichtermin im neuen Jahr zugestimmt. Nur Hans Jacobsen spielte nicht mit - und hatte befürchtet, dass die Osterrönfelder die Partie vielleicht wegen der widrigen Witterungsverhältnisse absagen würden. Doch das Kreisderby fand statt. Und weder Jacobsen noch die anderen 200 Besucher auf dem Sportplatz in Osterrönfeld dürften ihr Kommen bereut haben.
Auch wenn der Himmel mit den Anpfiff seine Schleusen öffnete boten beide Mannschaften dem Publikum 90 höchst kurzweilige Minuten. Das Spiel, aus dem der TuS am Ende mit 2:1 (0:1) als Sieger hervorging, war gewürzt mit giftigen Zweikämpfen, packenden Torraumszenen, zwei "normalen" Treffern und einem Eigentor sowie vielen strittigen Schiedsrichterentscheidungen, die in einem zurückgenommenen Platzverweis gegen Nortorfs Torhüter Sebastian Haake gipfelten. Zwei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit war der aufs TuS-Tor zustürmende Kai Zapfe in einem Dreikampf mit Haake und dem Nortorfer Steffen Ruwolt zu Fall gekommen. Der Unparteiische Michael Blaschek (Kiel) entschied auf Notbremse gegen Haake, revidierte aber nach Rücksprache mit seinem Linienrichter die Entscheidung. "Mein Assistent hat mir gesagt, dass ein Nortorfer Spieler Osterrönfelds Nummer sechs zu Fall gebracht hat, aber nicht der Torhüter. Da aber weder mein Assistent noch ich genau erkennen konnten, wer der Nortorfer Feldspieler war, habe ich die Rote Karte zurückgenommen, aber keinen anderen verwarnt", begründete Blaschek sein Vorgehen. "Das war sehr mutig von dem Schiedsrichter", meinte Nortorfs Spielertrainer Dierk Schröder. "Das hätten nicht viele gemacht", sagte der OTSV-Coach Arno Lütje, der - im Gegensatz zu vielen Besuchern - Blaschek ob dieser Entscheidung nicht die Schuld an der späteren Niederlage geben wollte. "Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob wir gegen zehn Nortorfer gewonnen hätten." Und immerhin gelang den Gastgebern mit dem anschließenden Freistoß die 1:0-Führung. Arne Steltner hämmerte den Ball aus 18 Metern genau auf Nortorfs Keeper. Haake bekam zwar noch die Hände hoch, konnte den Schuss aber nicht mehr abwehren.
"Leider waren wir in der zweiten Halbzeit zu sehr darauf bedacht, den Vorsprung zu verwalten", sagte Lütje. Zudem musste der OTSV nach der Pause der aufopferungsvollen Spielweise der ersten 45 Minuten Tribut zollen. Die Gäste bekamen immer mehr Oberwasser. Zunächst verhinderte OTSV-Keeper Hanno Brüchmann mit Glanztaten gegen Hassan Jaafar und Alexander Klucke (70.) noch den Ausgleich. Doch gegen den verunglückten Kopfball seines Mannschaftskollegen Dennis Schmidt war auch er machtlos (76.). Und zwei Minuten vor dem Abpfiff musste sich Brüchmann erneut geschlagen geben. Nortorfs Mannschaftskapitän überwand den Osterrönfelder Schlussmann aus kurzer Distanz zum 2:1. "Nicht ganz unverdient", wie Schröder hinterher meinte. "Wir haben in der zweiten Halbzeit sehr viel Druck gemacht und kaum noch Chancen des OTSV zugelassen. Mit einem Punkt wären wir auch zufrieden gewesen, aber die drei nehmen wir gerne mit."
OTSV: Brüchmann - Claussen, Schmidt, Ströh, Thodt, Zapfe (46. Gelic), Eggers, Steltner (77. Müller), Kock (85. Kohlmorgen), Fuhrmann, Asbahr.
TuS Nortorf: Haake - Redmann (86. Nitschmann), Grünberg, Rathgen, Göttsche, Ruwolt, Klucke (77. Viergutz), Schröder, Boller, Jaafar, Quandt.
Schiedsrichter: Blaschek (Kiel).
Zuschauer: 200.
JOACHIM HOBKE
Quelle: Landeszeitung vom 18.12.2006