Nur sechs Minuten von der Pokal-Sensation entfernt

Fußball-Bezirksligist Nortorf unterliegt Oberligist Büdelsdorf im Halbfinale mit 1:2

Nortorf – Chapeau, TuS Nortorf! Der Fußball-Bezirksligist schnupperte im Halbfinale des Oddset-Pokals gegen den auf ganzer Linie enttäuschenden Oberligisten FT Eider Büdelsdorf an einer Pokal-Sensation. Doch nach 90-minütigem Spiel voller Leidenschaft musste sich das Team um Spielertrainer Dierk Schröder dem drei Klassen höher spielenden Gast mit 1:2 geschlagen geben, obwohl die Nortorfer auf der Harderkampfbahn bis zur 84. Minute noch geführt hatten.

 Von Torge Meyer

„Solange wir von der Kraft her mithalten, können wir Eider Paroli bieten“, setzte Nortorfs Spielertrainer Dierk Schröder nach zwei morgendlichen Trainingseinheiten vollstes Vertrauen in seine Elf. Und die enttäuschte ihn im Spiel „David gegen Goliath“ nicht: Mit unbändigem Einsatz, aber auch mit spielerischen Mitteln hielt der Bezirksligist den haushohen Favoriten vor 248 zahlenden Besuchern in Schach. Kompakt in der Defensive zwang sie Eider immer wieder zu langen Pässen über die Außenbahnen, auf die die FT-Angreifer Sven Beck und Özcan Atasoy auszuweichen versuchten.
    Doch beide hatten einen schweren Stand: Nortorfs „Youngster“ Malte Rathgen (gegen Beck) und Henning Michaelis (gegen Atasoy) zeigten sich von ihrer besten Seite. Dennoch: Ganz ausschalten konnten sie den Ex-Neumünsteraner Beck nicht, der im ersten Durchgang drei vielversprechende Aktionen hatte: Zunächst tanzte „Becks“ in der elften Minute seinen „Schatten“ Rathgen aus, sein Schuss zischte jedoch über die Querlatte.
    Sieben Minuten später konnte Nortorfs überragender Torsteher Stefan Fischer gerade noch seine Fäuste hochreißen. In der 36. Minute war er bereits geschlagen, Becks Schuss landete nach Vorarbeit von Stürmerkollege Atasoy aber am Pfosten. Doch die drei Eider-Möglichkeiten sollten nicht über die pomadige Spielweise des Oberligisten hinwegtäuschen, der Sommerfußball bot.
    Ganz anders die Nortorfer: Mit schnellen Kontern ließ die von Co-Trainer Frank Behrens am Spielfeldrand gecoachte TuS-Elf die Gäste alt aussehen. Besonders, wenn schnell über Spielertrainer Dierk Schröder, der FT-Abwehrspezialist Till Furthmann ein ums andere Mal narrte, gespielt wurde, ging ein Raunen durch die Zuschauerränge. So geschehen nach einer Viertelstunde, als Schröder dem mitgelaufenden Mirko Nitschmann bediente und dieser Stefan Legrum im Eider-Tor erstmals prüfte. Die größte Chance hatte Schröder selbst, als er in der 25. Minute das Leder gekonnt über Legrum, aber auch über das Tor lupfte. Mit einem knallharten Schuss von Klucke, der über das Gästetor flog, wurden unter dem Beifall der zufriedenen Zuschauer die Seiten getauscht.
    Zehn Minuten nach dem Wechsel waren die Nortorfer Fans nicht nur zufrieden, sondern schier aus dem Häuschen. Der erstmals gefährlich aufrückende Libero Sönke Klages bediente seinen letztjährigen A-Jugendkollegen Eike Bruhn, der wie ein „alter Hase“ aus 18 Metern trocken abzog – 1:0 (55.). Doch nach diesem Rückstand zeigte der Oberligist mehr Engagement und kam zu Chancen. Erst rutschte der eingewechselte Jörg Ahrends an einer Ellefsen-Flanke vorbei (62.), ehe Özkan Altin mit einem „Hammer“ aus spitzem Winkel Torsteher Fischer eine Glanztat abverlangte (80.).
    Zu diesem Zeitpunkt hätte Nortorf schon alles klar machen können, verpasste aber bei seinen Konterchancen durch Nitschmann (71.) und Schröder (75.) das vorentscheidene 2:0. Stattdessen kam es, wie es die Nortorfer Fans befürchteten: Erst köpfte Sven Beck einen Altin-Eckstoß wuchtig in die Maschen (84.), ehe Altin selbst mit einem abgefälschten Distanzschuss für den überaus glücklichen Einzug ins Pokalfinale sorgte (87.). Trotz des späten Sieges war FT-Trainer Olaf Lehmann rundum bedient: „So darf man sich als Oberligist hier nicht präsentieren.“
    Sein Pendant Schröder zeigte sich mit dem Spiel seines Teams hoch zufrieden. Als Belohnung gab es einen Tag trainingsfrei.

Nortorf: Fischer – Klages – Rathgen, Michaelis – Redmann (63. Granert), Nitschmann, Klucke, Ruwolt, Grünberg, Bruhn – Schröder. 

FT Eider: Legrum – Köpcke (44. Bodtke), Furthmann, Treptow – Ellefsen, Sawkulycz, Seebauer (77. Müller), Frank (46. Ahrends), Altin – Beck, Atasoy. Schiedsrichter: Woltmann (Kiel). Tore: 1:0 Bruhn (55.), 1:1 Beck (84.), 1:2 Altin (87.). Gelbe Karte: Furthmann (31.). 

Zuschauer: 248.

Seltenes Bild: Eiders Sturmspitze Özcan Atasoy (li.) setzt sich hier gegen den bärenstarken TuS-Libero Sönke Klages durch.


Obwohl Nortorfs Malte Rathgen (re.) eine starke Partie gegen Eiders Sven Beck ablieferte, war der Ex-Neumünsteraner nicht vollkommen auszuschalten: „Becks“ Schuss geht in dieser Situation knapp über das Nortorfer Tor. Fotos T. Meyer

Quelle: KN - Holsteiner Zeitung vom 26.07.2004